Im Gespräch mit der Autorin Berta BergerÜber das Schreiben, "Kunigunde Kugelrund" und "Der Augenschneider"
Die österreichische Autorin Berta Berger hat bisher zwei Kinderbücher beim Autumnus Verlag herausgegeben. Der Thriller "Der Augenschneider" wird bei Piper verlegt.
Nach zehn Jahren des Schreibens hat Berta Berger den Durchbruch geschafft und sich in zwei Genren etabliert. Sie gewährt hier einen Einblick in ihre Werkstatt. Liebe Frau Berger, im Sommer wurde ihr Kinderbuch "Kunigunde Kugelrund" verlegt und inzwischen haben Sie auch zwei Thriller bei Piper untergebracht. Der erste wird im Sommer unter dem Titel „Der Augenschneider“ herauskommen. Ja, das ist ein großer Schritt für mich. Der zweite Thriller ist gerade in Arbeit und soll 2011 erscheinen. Wie kamen Sie zum Schreiben?Als meine Tochter, heute ist sie schon 15, damals in den Kindergarten kam, suchte ich nach einer sinnvollen Beschäftigung, um für mich etwas zu finden, das mir Spaß macht. Da ich immer gern gelesen habe und beruflich viel schreibe, allerdings eher trockene Texte wie Berichte, war es zum kreativen Schreiben nur mehr ein kleiner Schritt. Die Anfänge waren eher ein Experimentieren: Was liegt mir, was interessiert mich, worin bin ich gut. Haben Sie bestimmte Schreibrituale?Nein, ich schreibe immer, wenn ich Zeit habe. Meist abends, wenn die Kinder im Bett sind oder auch vormittags, wenn ich frei habe und mein Sohn in der Schule ist. Ein, zwei Tassen Kaffee, mein Laptop – das reicht mir. Arbeiten Sie an verschiedenen Projekten gleichzeitig?Meistens laufen ein Thriller und ein Kinderbuch parallel. Die sind so gegensätzlich, dass ich nicht Gefahr laufe, Dinge zu verwechseln. Ab und zu schiebe ich noch ein, zwei Kurzgeschichten ein, wenn mich eine Ausschreibung besonders anspricht. Aber im Moment konzentriere ich mich darauf, den zweiten Thriller fertig zu bekommen und die Figuren und die Handlung für mein neues Kinderbuchprojekt zu entwickeln. Was motiviert Sie beim Schreiben?Erfolg und positive Rückmeldungen, aber auch Kritik. Da wird bei mir der Ehrgeiz geweckt, es besser zu machen. Wie finden Sie Ihre Ideen?Oh, die liegen auf der Straße, sitzen im Zug oder stehen in der Zeitung. Nein, ernsthaft: Wenn man mit offenen Augen durch den Alltag geht, findet man sie. Manchmal reicht ein Schlüsselsatz, den jemand sagt, manchmal ist es ein kleiner Zeitungsartikel, manchmal auch einfach ein Gefühl, das man in bestimmten Situationen entwickelt. Wie lernen Sie ihre Figuren kennen?Ich lebe mit ihnen. Zuerst habe eine vage Vorstellung von meinen Figuren. Sie müssen bestimmte Rollen übernehmen und dafür entwickle ich mir ein Bild von ihnen. Wenn das da ist, beginnen sie, in meinem Alltag eine Rolle zu spielen. Beim Frühstück überlege ich mir, ob diese Figur ebenfalls Kaffee trinken würde, ob sie lieber Tee bevorzugt, ob sie Rührei oder lieber gar nichts essen will. Beim Mittagessen frage ich mich, ob das, was ich gekocht habe, meiner Figur schmecken würde. Das bezieht den ganzen Alltag mit ein. Fährt meine Figur mit dem Zug oder nimmt sie lieber das Auto? Welche Marke würde sie fahren, und welche kann sie sich leisten? Was würde sie von einer bestimmten Person halten? Würde sie sie mögen, und wenn ja, warum? Ich versetze mich in die jeweilige Figur, aus deren Perspektive ich gerade schreibe, ganz hinein. So kann ich am besten nachvollziehen, wie sie reagiert, wenn sie Angst hat, wenn sie wütend ist oder trauert. Es ist, als wäre ich eine Schauspielerin, die genau in diesem Moment die Rolle meiner Figur spielt. Haben Sie einen guten Rat für junge Autoren?Viele. Aber der wichtigste Rat ist: Dranbleiben und weiterschreiben, auch wenn man die 100. Absage kassiert hat. Einen Text, wenn es sein muss, auch fünfzig Mal umschreiben. Dafür muss man die eigene Eitelkeit zurückstellen und sich auch von Passagen trennen, die man selbst genial findet, wenn es dem Text nützt.
Der Artikel Im Gespräch mit der Autorin Berta Berger in Krimis & Thriller unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Im Gespräch mit der Autorin Berta Berger ist Eva Maria Nielsen.
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